
Autor

George Bernard SHAW
* 26. Juli 1856 in Dublin,
† 2. November 1950 in Ayot St. Lawrence
Als Sohn eines Kaufmannes und einer Gesangslehrerin, kam er 1876 als Kontorist nach London.
Zunächst veröffentliche er künstlerisch relativ wertlose Romane, schrieb dann unter dem Pseudonym „Corno di Bassetto“ (Bassetthorn) für die Zeitungen „The Star“ und „The World“ Opernkritiken, später wurde er auch Schauspielkritiker. Besonders in der letzteren Eigenschaft stand er nicht an, auch für andere Dramatiker (z.B. Oscar Wilde) einzutreten und sie zu fördern.
Shaw musste 48 Jahre alt werden, bis er als Dramatiker berühmt wurde. 1904, als das London Royal Court Theatre seine Komödie „John Bull’s andere Insel“ aufführte, lachte König Edward VII in einer Vorstellung derart ausschweifend, dass sein Sessel unter ihm zusammenbrach.
Er musste 58 Jahre alt werden, bis er weltberühmt wurde. Dies geschah 1914 durch seine Komödie Pygmalion.
Er musste 68 Jahre alt werden, bis England ihn als seriösen Bühnendichter betrachtete. Und zwar 1924 durch seine „Heilige Johanna“. Die ernsthaft gestellte Frage, ob er, der Protestant, denn nun katholisch werden wolle, verneinte er: “Für zwei Päpste hat die Kirche keinen Platz.“
Ein Jahr später wurde ihm der Nobelpreis verliehen. Die Welterfolge seiner Stücke machten ihn zum Millionär.
Shaw wollte seine Zeitgenossen durch seine Stücke unterhalten, aber auch erbauen. Was nun die Unterhaltsamkeit betrifft, so hat er, um seine Ideen an den Mann zu bringen, sich nie davor gescheut, als Clown und Spaßmacher aufzutreten, wo es ihm nötig erschien.
Als Rationalist gehörte er von Anfang an keiner stilistischen Richtung an, sondern war lediglich „er selbst“. Er setzte der Decadence der Wende zum 20. Jhdt. die eifernde, aggressive Skepsis des aktiven Weltverbesserers entgegen und pflügte mit der Schärfe seiner Argumente und der Schneide seines Witzes den Boden, auf dem die bildschönen, aber unnützen Gewächse der neuromantischen Dichtung gediehen, gründlich um. Was er säte, war eine neue Aufmerksamkeit für die Situation des Menschen.
Durch ihn kehrte die Dichtung in die Realität zurück (nicht in den Realismus!), fand von den Problemen wieder zu den Stoffen. Er selbst allerdings kümmerte sich nie sonderlich um konkrete Stoffe. Er griff einfach damals aktuelle Themen auf und erinnerte das Theater damit an seine humane Aufgabe. Teils tat er das als zorniger Prediger, teils als capriolierender Spaßmacher.
Shaw, der nicht folgenlos Opernkritiker gewesen war, nutzte in seinen Stücken die Schablonen von Oper und Operette entweder direkt, oder er stellte sie auf den Kopf.
Die Neigung, pathetische Situationen durch Gelächter auszukühlen, besaß schon Georg Carr Shaw, sein trinkfreudiger Vater. George Bernard erzählte: Als ich ein Kind war tauchte er mich in der Killiney Bucht zum ersten Mal ins Meer. Voraus ging eine ernste Mahnrede darüber, wie wichtig es sei, schwimmen zu lernen, die in den Worten gipfelte: „Als 14-jähriger Junge war ich, weil ich schwimmen konnte, imstande, deinem Onkel Robert das Leben zu retten.“ Als mein Vater bemerkte, dass ich tief beeindruckt war, beugte er sich herab und flüsterte mir ins Ohr: „Und um die Wahrheit zu sagen, in meinem ganzen Leben habe ich später nichts so sehr bedauert.“
Shaw hat am Bild des Clowns, das die Öffentlichkeit von ihm hatte, selbst eifrig weitergemalt: Da der Engländer nicht ins Theater geht, um sich belehren zu lassen, sondern um sich zu amüsieren, übernahm er die Rolle des Spaßmachers und versuchte, durch Amüsement zu belehren. Denn belehren wollte er. Nie hätte er auch nur eine Zeile lediglich für die Kunst geschrieben.
G.B.Shaw - Journalist, Clown und Kritiker, über sich selbst
„Ich bin auch ein Journalist und ich bin stolz darauf, und streiche mit Vorbedacht alles aus meinen Arbeiten heraus, was nicht Journalismus ist. Ich bin überzeugt, dass nichts, was nicht Journalismus ist, lange als Literatur lebendig bleiben, geschweige denn von irgendeinem Nutzen sein wird.“
Andere über George Bernard Shaw
Shaw`s Gehirn war im wörtlichen Sinne ein Keil. Die schärfste Seite war immer vorne.
(Chesterton)
Shaw ist der Name eines Gärtners, der sich zum Bock gemacht hat.
(Franz Blei)
Shaw weiß genau wie viel Mut dazu gehört über das Lustige zu lachen, und wie viel Ernst nötig ist, um das Lustige herauszufinden.
(Bertolt Brecht)
Das Stück: "Helden"
Eine Komödie in 3 Akten
- Uraufführung 14. April 1894 im Avenue Theatre, London
- Deutsche Erstaufführung in Berlin 1904
- 2006 im Sommertheater Kitzbühel
Das Stück (eine seiner gelungensten Komödien) begründete Shaw’s Durchbruch als Dramatiker in England.